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Die Zonengrenze trennte ihn vom Ort: Bahnhof Bergen (Dumme) LOST PLACE Umleiterzüge DDR Amerikalinie

Olga Bandelowa

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Die Zonengrenze trennte ihn vom Ort: Bahnhof Bergen (Dumme) LOST PLACE Umleiterzüge DDR Amerikalinie

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Olga Bandelowa
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Der Ort lag im Westen, der dazugehörige Bahnhof östlich der Zonengrenze. So etwas gab es tatsächlich. Wir gehen auf Spurensuche. Bergen an der Dumme, eine Gemeinde im östlichen Niedersachsen, kurz bevor Sachsen-Anhalt beginnt. Für eine Stadt ist Bergen zu klein, sowas wird hier als Flecken bezeichnet. Am Tage sind kaum Bewohner zu sehen. Die meisten früheren Ladengeschäfte sind zu Wohnungen umgebaut oder stehen einfach leer. Auf der Hauptstraße passieren viele Lkw. Bergen hat aber eine Bahnhofstraße, doch gibt es auch einen Bahnhof? Machen wir uns also auf die Suche nach der Station und folgen der Straße. Um die Zeit etwas zu verkürzen nimmt der Film hier ordentlich Fahrt auf. Dass wir uns der ehemaligen Zonengrenze nähern, zeigen die zwei Gebäude, die wie ein früherer Kontrollpunkt aussehen. Tatsächlich gab es hier zwischen September 1949 und Mai 1952 einen Grenzübergang, der für Personenverkehr und Interzonenhandel genutzt wurde. Dann schloss die DDR den Übergang im Rahmen der verschärften Grenzsicherungsmaßnahmen. Die auf westlicher Seite errichteten Gebäude gibt es heute noch. Die provisorischen Einrichtung auf der Ostseite sind längst verschwunden. Wir passieren das Ortsschild. Hier ist Bergen an der Dumme zu Ende. Bis zur nächsten Gemeinde sind es drei Kilometer. Ein Bahnhof ist noch nicht zu sehen. Das ist also die Strecke, die die Bergener früher zurücklegen mussten, wenn sie zur Eisenbahn wollten. Viele haben es wohl zu Fuß gemacht, manche mit dem Rad oder einem Pferdewagen. Und dann ist auch Niedersachsen zu Ende. Das Flüßchen Dumme bildet hier die Grenze. Heute zu Sachsen-Anhalt, bis 1990 zur DDR. Würde hier nicht die braune Informationstafel stehen, käme man kaum darauf, dass an dieser Stelle bis zum 19. Juni 1990 Mauern und Stacheldraht jedes Durchkommen unmöglich machten. Wir sind jetzt im Altmarkkreis Salzwedel. Klein Grabenstedt ist die erste Ortschaft. Ehe wir uns versehen, sind wir auch schon durchgefahren. Und dann ist er plötzlich da, der Geisterbahnhof von Bergen Dumme. Ähnlich dem Schloß von Dornröschen steht er eingewachsen mit Bäumen und viel Gestrüb an der alten Amerikalinie. Auch 75 Jahre nachdem hier der letzte Zug gehalten hat, lässt sich der Bahnhofsname noch gut lesen. Jedenfalls, wenn keine Blätter an den Bäumen sind. Weil beim Bau der Amerikalinie im Jahr 1870 die Gleise einige Kilometer entfernt am Ort Bergen Dumme vorbeigeführt wurden, errichtete man diesen Bahnhof auf freiem Feld. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es nur einen Gasthof und ein heute nicht mehr vorhandenes Wohnhaus. Die 1945 nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg zwischen den westlichen Besatzungszonen und der sowjetischen Ostzone gezogene Demarkationslinie war für den Bahnhof verhängnisvoll. Von östlicher Seite wurde der durchgehende Bahnverkehr sofort unterbrochen. Wie nah der Bahnhof an der innerdeutschen Grenze lag, zeigt das Bild von Günter Tscharn, das er im März 1982 mit einem Teleobjektiv aufnahm. Er fühlte sich hier an der Grenze so unwohl, dass er sich nur bis auf zehn Meter herantraute. Er konnte aber beobachten, dass sich auf dem östlichen Wachturm ein Soldat befand. Auf der ehemaligen Strecke waren etwa 100 Meter des Bahndamms entfernt worden. Hier hatte eine Fußstreife der DDR-Grenztruppen ihren Robur-Lkw abgestellt. Laut Winterfahrplan von 1950/51 soll die DDR-Reichsbahn den Bahnhof Bergen Dumme noch bis Mai 1951 angefahren haben, danach wurde das Gleis bis Salzwedel entfernt. Auch auf westlicher Seite wurde Gleis abgebaut. Als Ersatz für den verlorenen Bahnhof Bergen Dumme richtete man im Dezember 1945 kurz vor der Grenze den Haltepunkt Nienbergen als Endpunkt des westlichen Streckenteils ein. Die beiden Gleise bis zur Grenze wurden komplett entfernt. Die Strecke endete an zwei provisorischen Prellböcken aus Schwellen. Später wurde das zweite Gleis bis Uelzen zurückgebaut. Ein Bahnhof ohne Gleise ist kein Bahnhof mehr. Fortan wurde das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Im Anbau, in dem wohl auch mal das Bahnhofsklo untergebracht war, wurden nun Nutztiere gehalten und deren Mist auf dem ehemaligen Gleisbett zu einem Haufen aufgeschichtet. Auf der Aufnahme von Stefan Motz, die er im Dezember 1992 machte, ist gut zu erkennen, wie breit der Gleisbereich vor dem Empfangsgebäude war. Auf alten Postkarten kann man mindestens vier Gleise zählen. Heute führt nur noch ein Schienenstrang vorbei. Der Grenzfluß Dumme, der ab 1945 für den Bahnhof das Aus brachte, war vorher kein Problem. Der Ort Bergen lag zwar in der Provinz Hannover und der Bahnhof in der Provinz Sachsen, beides war aber Teil Preußens.