Der letzte Pharao Ägyptens: Ein Papyrus, der mitten im Satz abbricht | Licht der Erkenntnis
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Der letzte Pharao Ägyptens: Ein Papyrus, der mitten im Satz abbricht
Ein Schreiber in Memphis kopiert den Untergang Ägyptens — und bricht mitten im Satz ab. Auf dem leeren Rest des Blattes hat derselbe Mann eine kleine Figur gezeichnet, dann hat er das Blatt weggelegt. Der Text, den er nicht fertig kopierte, erzählt einen Traum: Nektanebos der Zweite, der letzte Pharao aus ägyptischem Haus, sieht die Götter über sein Land beraten — und der Grund für den Untergang ist nicht das persische Heer, sondern eine Arbeit am Tempel, die nicht fertig wurde.
Diese Dokumentation folgt dem Dokument und dem Ereignis: das halb beschriebene Blatt aus dem Serapeum von Memphis und der Mann, der es liegen ließ; die Klage des Gottes über einen nachlässigen Priester und der Bildhauer, der in wenigen Tagen fertig werden wollte; die Stelle, an der die Handschrift abbricht; die demotischen Fassungen aus der Tempelbibliothek von Tebtunis, dreihundert Jahre später und in anderer Sprache; die Traumdeutung als Beruf und die Inkubation im Tempel als geregeltes Verfahren statt als Volksglaube; die erhaltenen Traumprotokolle eines Klausners und seines Bruders; die Rückkehr des Perserkönigs dreihundertdreiundvierzig vor Christus und die Flucht des letzten Pharao nach Nubien; was der Traum an der Niederlage erklärt und wem diese Erklärung nützte; das Nachleben, in dem Nektanebos im Alexanderroman zum Vater Alexanders des Großen wird; und der Weg des Blattes über den Antikenmarkt des neunzehnten Jahrhunderts nach Leiden.
Kapitel:
00:00 Der Abbruch
01:02 Die Zelle im Serapeum
02:14 Jahr sechzehn, bei Vollmond
03:29 Die Klage des Gottes
04:45 Alles fertig, nur eines nicht
05:53 Der Bildhauer tritt vor
07:04 Hier bricht die Handschrift ab
08:22 Die andere Bibliothek
09:39 Traumdeutung war ein Beruf
10:54 Wie ein Traum zum Dokument wurde
12:27 Sieben Träume über die Königin
13:46 Der Perser kommt zurück
15:06 Was der Traum erklärt
16:20 Der Pharao, der Alexanders Vater wurde
17:30 Wie das Blatt nach Leiden kam
18:35 Der Schreiber, der aufhörte
Zur Handschriftenlage, weil die beiden Manuskripte oft verwechselt werden: Der Traum des Nektanebos ist UPZ I 81, ein griechischer Text um 150 vor Christus von der Hand des Apollonios, eines Klausners im Serapeum von Memphis. Papyrus Leiden I 384 ist ein anderes Manuskript, eine zweisprachige Zauberpapyrus-Sammlung des vierten Jahrhunderts nach Christus. Die demotischen Fassungen der Erzählung sind P. Carlsberg 562 und P. Carlsberg 424 und 499 aus Tebtunis.
Zur Herkunft: Die Papyri des Serapeums kamen im neunzehnten Jahrhundert über den Antikenmarkt nach Europa, gesammelt von dem Händler Giovanni Anastasi. Die Leidener Gruppe erwarb Jean Emile Humbert im Auftrag von Caspar Reuvens im Jahr 1827; eine zweite Sammlung ging 1838 über Livorno nach London. Ein Fundbericht existiert nicht. Dass genau dieses Blatt mit genau dieser Lieferung reiste, ist damit nicht eigens belegt.
Quellen:
– Ulrich Wilcken, Urkunden der Ptolemäerzeit I, Berlin und Leipzig 1927, Nr. 81 (Der Traum des Nektanebos)
– Kim Ryholt, A Demotic Version of Nectanebos' Dream (P. Carlsberg 562), Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 122 (1998)
– Kim Ryholt, The Antiquities Trade in Egypt and the Story of Petese, Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 2004
– Kim Ryholt, The Carlsberg Papyri: The Petese Stories, Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 1999 und 2006
– Richard Jasnow, A Late Period Hieratic Wisdom Text (P. Brooklyn 47.218.135), Oriental Institute of Chicago, 1992
– Dorothy J. Thompson, Memphis under the Ptolemies, Princeton 1988
– Ludwig Koenen, The Dream of Nektanebos, Bulletin of the American Society of Papyrologists 22 (1985)
– Diodor, Bibliotheke, Buch 16 (Feldzug des Artaxerxes III. gegen Ägypten)
– Pseudo-Kallisthenes, Der Alexanderroman, Rezension A, Buch 1
– Rijksmuseum van Oudheden Leiden, Sammlungsgeschichte der Papyri aus dem Serapeum von Memphis
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0:00 Der Abbruch
1:03 Die Zelle im Serapeum
2:23 Jahr sechzehn, bei Vollmond
3:48 Die Klage des Gottes
5:00 Alles fertig, nur eines nicht
6:14 Der Bildhauer tritt vor
7:12 Hier bricht die Handschrift ab
8:20 Die andere Bibliothek
9:47 Traumdeutung war ein Beruf
10:58 Wie ein Traum zum Dokument wurde
12:43 Sieben Träume über die Königin
14:13 Der Perser kommt zurück
15:48 Was der Traum erklärt
17:11 Der Pharao, der Alexanders Vater wurde
18:25 Wie das Blatt nach Leiden kam
19:39 Der Schreiber, der aufhörte
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