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Die Stadt, zu der halb Europa zweimal im Jahr reiste: Zurzach, Aargau

Verlorener Glanz

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Die Stadt, zu der halb Europa zweimal im Jahr reiste: Zurzach, Aargau

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Verlorener Glanz
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Neunhundertachtundvierzig Menschen lebten 1850 in diesem Flecken am Rhein. Und doch stand sein Name in Kontobüchern in halb Europa: Zweimal im Jahr, an Pfingsten und um den Verenatag am 1. September, verwandelte sich Zurzach im Aargau in einen der wichtigsten Warenumschlagplätze nördlich der Alpen. Zur Verenamesse und zur Pfingst- oder Ledermesse kamen Händler aus der ganzen Eidgenossenschaft, aus Süddeutschland, den Niederlanden, Sachsen, Böhmen und Polen: Leder und Pelze, Tuch und Leinwand, Bücher und Drucke, Nürnberger Ware, böhmisches Glas, sächsische Spitzen, Seidenbänder, Wollstrümpfe, Schuhe — und ein Rossmarkt, über den ganze Regionen ihre Zugpferde bezogen. 1363 sind die Märkte erstmals urkundlich fassbar, 1408 verlängerte König Ruprecht sie auf je drei Tage, 1415 stellten die Acht Alten Orte sie unter ihren Schirm. Und dann verschwand das Ganze so leise, wie es gewachsen war: 1855 fand die letzte Ledermesse statt, 1856 zogen die Ledermessen nach Zürich weiter. Was du in dieser Folge erfährst: — Wie eine vormoderne Messe organisatorisch funktionierte: Schirm und Geleit, Zollerleichterungen, festgelegte Masse und Gewichte, Schiedsgerichte vor Ort, Wechsel und Kredit von Termin zu Termin — und warum die Messehäuser mit ihren Klappläden und tiefen Gewölbekellern das Ortsbild bis heute prägen — Warum ausgerechnet Zurzach: der römische Rheinübergang seit rund 15 v. Chr., die Stromschnelle bei Ettikon mit ihrem Umschlagzwang, die Fähre von 1343 bis 1907 — und das Grab der heiligen Verena, das den Ort zuerst zum Wallfahrtsziel und dann zum Marktplatz machte — Was gehandelt wurde und wer kam: Leder, Tuch, böhmisches Glas, sächsische Spitzen und der Rossmarkt — und warum die jüdischen Händler aus Endingen und Lengnau dazugehörten, den beiden einzigen Dörfern, in denen sich Juden nach dem Tagsatzungsbeschluss von 1678 in der Schweiz niederlassen durften — Warum die Messe endete: Seuchensperren, neue Kunststrassen, fester Ladenhandel, Industrie und die Eisenbahn ab 1847 — und was heute geblieben ist: die viel zu breite Marktstrasse, die Gewölbekeller, das Verenamünster, das Thermalwasser von 1955 und eine Gemeinde, die seit 2022 wieder schlicht Zurzach heisst Bildungsinhalte zur Geschichte. Quellen — Historisches Lexikon der Schweiz: Zurzach sowie Messen und Handel in der alten Eidgenossenschaft — hls-dhs-dss.ch — Wikipedia: Zurzacher Messe — Privilegien 1363, 1408, 1415, 1433 und 1442, Warensortiment, letzte Ledermesse 1855 — de.wikipedia.org — Wikipedia: Verenamünster (Zurzach) — Verenagrab, Ersterwähnung als Zuriaca 830, gotische Krypta, Pfarrkirche seit 1876 — de.wikipedia.org — Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund: Endingen und Lengnau, die Wiege des Schweizer Judentums — swissjews.ch — Wikipedia: Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim — römischer Übergang, Brücke um 1250, Hochwasser 1343, Fähre bis 1907 — de.wikipedia.org — und weitere Quellen #Geschichte #Aargau #Zurzach #BadZurzach #Handelsgeschichte #Schweiz