Die Stadt, der ihre eigenen Steine ausgingen: Idar-Oberstein, Hunsrück
Verlorener Glanz
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Die Stadt, der ihre eigenen Steine ausgingen: Idar-Oberstein, Hunsrück
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Verlorener Glanz
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Vor rund 300 Millionen Jahren stieg im Saar-Nahe-Becken Magma auf und legte Lavadecken über das Becken. In den Gasblasen dieser Decken wuchsen über Jahrmillionen Achate. Sehr viel später schlugen Menschen sie in offenen Gruben, den Kaulen, aus dem Berg — und schliffen sie am Wasser des Idarbachs, bäuchlings auf hölzernen Schleifkippstühlen vor mannshohen Sandsteinrädern. 1715 arbeitete in Idar mehr als die Hälfte aller Männer mit Stein. 183 wassergetriebene Schleifen standen an den Bächen dieser Gegend, 56 davon allein am Idarbach. Dann gingen die heimischen Achate zur Neige: 1875 endete die Suche am Steinkaulenberg, die Lagerstätte galt als erschöpft. Der Ort hätte sterben müssen. Stattdessen fanden ausgewanderte Idarer — eine Gruppe, die als Musikanten unterwegs war — in Brasilien neue Lager. 1834 kam die erste Ladung aus Rio Grande do Sul, anfangs als Ballast im Bauch von Segelschiffen. Mit dem 1819 aus Rom mitgebrachten Geheimnis des Schwarzfärbens konnte Idar plötzlich jeden Achat der Welt verwerten. Von 150 Edelsteinschleifern (1890) über 1.200 (1914) auf 2.400 (1924); in der Blütezeit lebten fünf- bis sechstausend Menschen von diesem Handwerk. Und dann ging seit den 1970er Jahren auch das Schleifen fort.
Was du in dieser Folge erfährst:
— Wie ein Achat geologisch entsteht und wie aus dem rohen Knollen ein Stein wird: Rotliegend-Vulkanismus und Gasblasen, Kaulen und Stollen am Steinkaulenberg, Sägen, das Schleifen bäuchlings auf dem Schleifkippstuhl vor dem wassergetriebenen Sandsteinrad, Bohren, Facettieren, Lapidärarbeit und Glyptik
— Warum die Auswanderung nach Brasilien den Ort rettete: Idarer Auswanderer in Rio Grande do Sul, die erste Achatladung 1834, Rohstein als Schiffsballast, die gleichmäßigeren brasilianischen Lagen für Kameen — und warum Nachkommen dieser Familien bis heute zu den wichtigsten Lieferanten gehören
— Wie aus einem Handwerk ein Weltmarkt wurde: das Färben und Brennen ab 1813 und 1819, Dampfkraft ab 1865, Facettieren und französische Graveure nach 1870, Diamantschleiferei als Lohnarbeit für Antwerpen, rund 95 Prozent Export, die Diamant- und Edelsteinbörse von 1974 und die Intergem seit 1985
— Was der Beruf gekostet hat und was heute geblieben ist: die Silikose der Achatschleifer als anerkannte Berufskrankheit, der Rückgang der Beschäftigten von rund 3.300 (Mitte der 1980er) auf rund 1.400 (Ende 2023) und der Auszubildenden von 380 (1985) auf unter 60 — sowie die Historische Weiherschleife als letzte wasserradgetriebene Achatschleiferei am Idarbach, die begehbaren Edelsteinminen im Steinkaulenberg, das Deutsche Edelsteinmuseum und die Felsenkirche von 1482 bis 1484
Bildungsinhalte zur Geschichte.
Quellen und Würdigung
• regionalgeschichte.net: Die Edelsteinbearbeitung in Idar-Oberstein (Zunftordnung 1609, Anteil der Steinberufe 1715, Auswanderung, Einbruch nach 1945) — regionalgeschichte.net
• Wirtschaftsgeschichte Rheinland-Pfalz: Edelstein- und Schmuckindustrie Idar-Obersteins (Schleiferzahlen 1890/1914/1924, Dampfkraft 1865, Börse 1974, Hochphase 1978–1980) — wirtschaftsgeschichte-rlp.de
https://wirtschaftsgeschichte-rlp.de
• Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Datenblick: Idar-Oberstein — Ausbildungszentrum der Schmuck- und Edelsteinbranche (Beschäftigte, Auszubildende, Einwohnerzahlen) — datenblick.statistik.rlp.de
https://datenblick.statistik.rlp.de
• Auswanderung aus Rheinland-Pfalz: Auswanderung aus Idar-Oberstein (Musikanten, erste Achatlieferung 1834, Rio Grande do Sul) — auswanderung-rlp.de
https://auswanderung-rlp.de
• Historische Weiherschleife und Edelsteinminen Steinkaulenberg (183 Schleifen, 56 am Idarbach, Schleifkippstühle, Betrieb bis 1945, Wiederherstellung 1953/54) — weiherschleife-steinkaulenbergwerk.de
https://weiherschleife-steinkaulenber...
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ℹ️ Über dieses Video
Dieses Video dient Bildungs- und Informationszwecken und behandelt historische Inhalte. Diese Darstellung beruht auf den in der Beschreibung genannten veröffentlichten Forschungen und Quellen. Die Bildrekonstruktionen und die Stimme des Erzählers — einer erfundenen Figur — wurden mithilfe von KI erstellt und dienen der Veranschaulichung; es handelt sich nicht um echte Aufnahmen oder um authentisches Archivmaterial. Die Darstellung ist für ein breites Publikum vereinfacht, einzelne Angaben sind gerundet oder angenähert. Ziel ist es, zu informieren und zu erinnern.