Zwei Meere, ein Kanal: Wie sie den Nord-Ostsee-Kanal durch das Land gruben
Gebautes Deutschland – Bauwerke & Geschichte
0:00 / 0:00
Zwei Meere, ein Kanal: Wie sie den Nord-Ostsee-Kanal durch das Land gruben
1 108 просмотров · 1 дн. назад
Gebautes Deutschland – Bauwerke & Geschichte
170 подписчиков
1 108 просмотров · 1 дн. назад
Mehr als achtzig Millionen Kubikmeter Erde musste ein einziger Landstreifen hergeben, ehe zwei Meere sich erreichen konnten: Auf knapp einhundert Kilometern durchschnitt der Kanal die Landenge Schleswig-Holsteins und verband Nordsee und Ostsee. Er ersparte den Schiffen den weiten, gefährlichen Bogen um die Nordspitze Jütlands — rund vierhundertsechzig Kilometer durch eines der schwersten Seereviere Nordeuropas, vor dem eine alte Seekarte mehr als zweitausend gesunkene Schiffe verzeichnete. Den Untergrund bildeten loser Sand, klebriger Lehm, nachgebendes Moor und dazwischen die Findlinge, Granitbrocken so groß wie ganze Fuhrwerke, die eine ferne Eiszeit im Boden zurückgelassen hatte.
Zwischen dem neunten Januar und dem fünfundzwanzigsten Februar achtzehnhundertsechsundachtzig gab der Reichstag das Werk frei; am dritten Juni achtzehnhundertsiebenundachtzig legte der neunzigjährige Kaiser Wilhelm der Erste in Kiel-Holtenau den Grundstein. Den Verlauf von Brunsbüttel an der Elbe über Rendsburg bis Kiel-Holtenau zeichnete der leitende Ingenieur Otto Baensch. Im März achtzehnhundertachtundachtzig fuhr der erste Spaten in den Boden. Ein Heer aus Dampfbaggern trug die Masse: allein im Jahr achtzehnhundertzweiundneunzig zwanzig Trockenbagger und zweiundvierzig Schwimmbagger, dazu Lokomotiven, Schuten und Schlepper. Mehr als dreitausend Arbeiter hoben den Grund zugleich mit bloßer Hand aus; in der Spitze standen etwa achttausendneunhundert Menschen an der Strecke. Jeder Findling musste einzeln gesprengt werden, und die Berichte nennen für die rund sieben Baujahre etwa neunzig Tote und annähernd sechstausend Unfälle.
Ende April achtzehnhundertfünfundneunzig durchfuhr das Aviso Jagd die geflutete Rinne; am zwanzigsten und einundzwanzigsten Juni weihte Kaiser Wilhelm der Zweite den Kaiser-Wilhelm-Kanal ein. Der Bau hatte einhundertsechsundfünfzig Millionen Goldmark und volle acht Jahre gekostet. Der fertige Weg maß gut achtundneunzig Kilometer, oben rund siebenundsechzig, am Grund zweiundzwanzig Meter breit, und war bei achteinhalb bis neun Metern Tiefe schon bald zu klein: Zwischen neunzehnhundertsieben und neunzehnhundertvierzehn wurde er bei vollem Betrieb verbreitert und vertieft. Seit neunzehnhundertachtundvierzig heißt das Werk nicht mehr nach dem Kaiser, sondern schlicht Nord-Ostsee-Kanal — heute die meistbefahrene von Menschenhand gegrabene Wasserstraße der Welt.
#NordOstseeKanal #KaiserWilhelmKanal #SchleswigHolstein #Kiel #Rendsburg #Ingenieurbau #Baugeschichte #Kanalbau