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Der Fuhrnickel vom Kordigast [Eine Sage vom „Korches“]

Chris Philipp

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Der Fuhrnickel vom Kordigast [Eine Sage vom „Korches“]

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Chris Philipp
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Strophe 1 Wenn Nebel über den Korches zieht und man kaum noch den Weg vor den Füßen sieht, wenn unten im Tal schon die Lichter vergeh’n, solltest du langsam und vorsichtig geh’n. Denn vor langer Zeit, so erzählt man sich, fuhr Nickel den Berg hinauf im Abendlicht. Sein Wagen war schwer, seine Pferde müd’, doch Umkehr kannte der Fuhrmann nicht. Strophe 2 Er war reich geworden mit Wagen und Pferd, doch Milde war ihm nicht besonders viel wert. Wo andere warteten, trieb Nickel voran, weil niemand ihm sagen sollte, was er nicht kann. Dann fiel dichter Nebel über den Berg, verschluckte die Bäume, den Himmel, den Weg. Kein Stern war zu sehen, kein Dorf und kein Licht, doch Nickel rief nur: „Weiter! Stehen bleibt ihr nicht!“ Refrain Fuhrnickel, Fuhrnickel, halt deine Pferde an! Keiner sieht im Nebel, wohin der Weg noch führt. Auf dem Kordigast, hoch über dem Land, liegt manchmal das Schicksal nur einen Schritt entfernt. Fuhrnickel, Fuhrnickel, hör auf dein Gespann! Manchmal sieht ein Tier, was der Mensch nicht sehen kann. Wenn der Nebel schweigt und kein Weg mehr zu seh’n, ist es besser, einmal stillzusteh’n. Strophe 3 Er zog an den Zügeln und rief ihnen zu, doch plötzlich standen die Pferde in Ruh’. Kein Ziehen, kein Treiben bewegte sie mehr, als hielte sie etwas Unsichtbares zurück. Nickel wurde wütend: „Nun geht endlich voran!“ Doch keines der Tiere rührte sich dann. Vier Hufe fest auf dem steinigen Grund, dahinter der Wagen – davor Nebel rundum. Bridge – gesprochen Dann kam Wind. Nur für einen Augenblick. Der Nebel riss auf. Nickel blickte nach vorn … und verstummte. Noch einen Schritt. Vielleicht zwei. Dann wäre dort kein Weg mehr gewesen. Nur der Abgrund. Strophe 4 Der Fuhrmann stieg langsam vom Wagen herab, strich seinen Pferden schweigend über den Hals. Zum ersten Mal wusste der reiche Mann: Nicht Gold hatte ihn hier gerettet. Nicht Stärke. Nicht Stolz. Seine Pferde hatten angehalten. Und manchmal, so lernte der Fuhrnickel dort, führt Sturheit nicht weiter – sondern vom Wege fort. Refrain Fuhrnickel, Fuhrnickel, halt deine Pferde an! Keiner sieht im Nebel, wohin der Weg noch führt. Auf dem Kordigast, hoch über dem Land, lag damals sein Schicksal nur einen Schritt entfernt. Fuhrnickel, Fuhrnickel, nun hast du erkannt: Nicht alles auf Erden liegt in deiner Hand. Als der Nebel wich und er den Abgrund sah, wusste Nickel, wie nah ihm das Ende war. Strophe 5 Zum Dank für die Rettung, so erzählt es die Sage, gab Nickel ein Versprechen noch an jenem Tage: Ein Kreuz sollte oben vom Gipfel aus steh’n, weithin über Täler und Ortschaften zu seh’n. Aus Eisen gefertigt, vergoldet im Licht, als Zeichen dafür: Vergiss deine Rettung nicht. Und hoch auf dem Kordigast, über dem Land, wurde das Kreuz zu einem weithin sichtbaren Stand. Finaler Refrain Fuhrnickel, Fuhrnickel, der Nebel ist fort, die Pferde brachten dich zurück von jenem Ort. Und hoch auf dem Korches, weit über dem Tal, erzählt man die Geschichte noch immer einmal. Wenn golden das Kreuz in der Abendsonne steht und unten durch Felder ein kühler Wind weht, dann denk an den Fuhrmann und sein Gespann: Manchmal rettet dich gerade das, was nicht weitergehen kann. Outro Der Nebel zieht fort. Die Pferde gehen heim. Und über dem Kordigast steht das Kreuz im letzten Licht.